Minden. Keine größeren Rückstaus, keine gefährlichen Situationen in der Gemengelage von vielen Autos, Radfahrern, Fußgängern und haltenden Bussen: Der Verkehrsversuch in der Rodenbecker Straße hat seine Bewährungsprobe am ersten Schultag (27. August) nach den Sommerferien bestanden. „Es hat alles gut funktioniert und lief geordnet ab“, berichtet der Beigeordnete für Städtebau und Feuerschutz, Lars Bursian. Er hatte sich am Mittwochmorgen zusammen mit Projektleiter Volker Kroppenstedt aus dem Bereich Verkehr ein Bild vor Ort gemacht.
Mit Beginn der Sommerferien wurden am 14. Juli im Bereich der Bushaltestelle nahe des Ratsgymnasiums Leitschwellen aufgebracht, die den Engpass markieren. Die Straße, die täglich viele hundert Fußgänger*innen und Radfahrer*innen passieren, die aus dem Glacis kommen, ist an dieser Stelle seitdem einspurig. Der Verkehr musste sich hier selbst regeln. Vorfahrt hat der stadteinwärts fahrende Verkehr. In den Ferien mit einer deutlich geringeren Verkehrslast lief das sehr gut, hat Projektleiter Kroppenstedt festgestellt. Insgesamt hat die Stadt Minden bis jetzt an dieser Stelle auch keinen „Unterhaltungsaufwand“ gehabt, weil keines der aufgestellten Schilder oder anderes Material beschädigt wurden, was ebenfalls positiv zu bewerten sei.
Nun galt es aber zu schauen, wie der Versuch mit mehr Verkehr, im normalen Schulbetrieb und in Verbindung mit den haltenden Bussen läuft. Bursian und Kroppenstedt ziehen am Mittwoch vor Ort ein erstes positives Fazit. „Durch die bauliche Einengung haben sich die gefahrenen Geschwindigkeiten im Bereich der Querungsstelle erwartungsgemäß verlangsamt. Dies ist im Sinne der Verkehrssicherheit sehr sinnvoll. Gleichzeitig konnten weder an dieser Stelle, noch im Umfeld, wesentliche Verkehrsbehinderungen festgestellt werden. Wir werden den Bereich aber weiter im Auge behalten – besonders auch während der bevorstehenden dunklen Jahreszeit. Auch der hervorragende Einsatz der ,sichernden‘ Schülerlots*innen hat sich an dieser Stelle gut in das Konzept des Versuchs eingefügt“, merkte Kroppenstedt an.
Hintergrund für den Verkehrsversuch ist, dass die Straßenquerungen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen im Glacis sollen sicherer werden. Basis dafür ist das in der Umsetzung befindliche Pflege- und Entwicklungskonzept für das Glacis. Der erste Abschnitt im Fischerglacis ist bereits fertiggestellt. In Kürze geht mit der Neugestaltung – auch der Wege – im Königsglacis weiter.
Täglich passieren im Durchschnitt – außerhalb der Ferien – bis zu 1.500 Radfahrer*innen und mehr als 500 Fußgänger*innen den Glacis-Übergang in der Rodenbecker Straße. Das hat der Bereich Verkehr bei einer Verkehrszählung im Juni 2025 herausgefunden. Eine Messung innerhalb der Ferien hat ergeben, dass die Betrachtung der Querungssituation – bei der immer noch mehr als 500 querenden Fahrräder und ca. 400 querende Fußgänger*innen gezählt wurden -, wichtig ist. In den Ferien ist die Kfz-Verkehrsstärke im Gegensatz zu der Schulzeit nur um etwa 500 bis 800 Fahrzeuge pro Tag gesunken. „Wir haben daher mit Spannung erwartet, ob diese 500 Fahrzeuge mehr nach den Ferien für Rückstaus oder gar chaotische Situationen sorgen werden“, so Kroppenstedt.
Zunächst sollen keine Veränderungen an der Beschilderung vorgenommen werden. Es gilt also weiter die Stufe 1 des Versuchs. Nur wenn die gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer*innen an dieser Stelle – wider Erwarten – doch so nicht funktionieren sollte, würde die zweite Phase greifen. Das bedeutet, dass in Richtung Westen – also vom Königswall kommend zur Ringstraße fahrend – nur noch Busse fahren dürfen. Der Individualverkehr muss sich in diesem Fall dann andere Wege suchen, wenn die Rodenbecker Straße an der Stelle zur Einbahnstraße wird.
Der Bereich Verkehr habe sich in den vergangenen Monaten viele Gedanken zu einem sicheren Übergang der Straßen im Glacis gemacht, die den beliebten Grüngürtel rund um die Mindener Innenstadt durchqueren – wie die Goebenstraße, die stark befahrene Marienstraße, die Rodenbecker Straße und die ebenfalls hochfrequentierte Königstraße, so Bereichsleiter Gunnar Kelb. Mit dem Verkehrsversuch in der Rodenbecker Straße wolle die Stadt herausfinden will, ob sich eine sichere Querungsstelle im Königsglacis mittels einer Einengung realisieren lasse. Auch solle die Akzeptanz der Verkehrsteilnehmer*innen für eine solche Lösung gefördert werden.
Der Versuch, der bis zum Sommer 2026 dauern soll, wird mit stichprobenartigen Verkehrszählungen, die verschiedene Straßen bis zur Hahler Straße hin einschließen, begleitet. Damit soll festgestellt werden, wie sich Verkehrsflüsse in einer solchen Situation verändern und wohin der Verkehr „verdrängt“ wird, so Kelb weiter. Verläuft dieser weiter erfolgreich, werden die bereits erfolgten Planungen – die die Grundlage für diesen Versuch gebildet haben – die Basis für eine feste und dauerhafte Lösung bilden. Berücksichtigt werden dabei auch die Barrierefreiheit und ein schonender Umgang mit dem vorhandenen Baumbestand.

Foto © Pressestelle der Stadt Minden