Jahresdienstversammlung mit Rückblick, Ausblick und vielen Ehrungen – Kinder- und Jugendfeuerwehr wachsen weiter – Bürgermeister Jäcke ist stolz auf „die gut aufgestellte“ Feuerwehr in Minden

Minden. Mit außergewöhnlich vielen und herausstechenden Einsätzen – unter anderem ein Schulbusunglück und mehrere Einsätze zur ABC-Gefahrenabwehr – hat das Jahr 2025 für die Feuerwehr Minden begonnen. Daran erinnerte der Leiter der Feuerwehr Minden, Tim Upheber, am Freitag, 7. März, in seiner Begrüßung zur Jahresdienstversammlung der Feuerwehr Minden. „Wir sind da, wir sind leistungsfähig und die Basis stimmt“, lautete die Quintessenz des Feuerwehrleiters. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Minden. Direkt nach dem Ende der Jahresdienstversammlung wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Minden parallel zu zwei größeren Einsätzen gerufen.

Im vollbesetzten pädagogischen Zentrum des Besselgymnasiums konnte Upheber viele Ehrengäste begrüßen – darunter Bürgermeister Michael Jäcke, der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Feuerschutz, Lars Bursian, den stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz, Michael Behrens, Kreisbandmeister Thomas Poschadly, die drei Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, Jürgen Stockmann, Marc Woköck und Stefan Drewes sowie Vertreter der Partnerfeuerwehr Tangermünde und von Feuerwehren angrenzender Kommunen. Auch ehemalige Feuerwehrleiter und Sprecher waren dabei. Die Jahresdienstversammlung dient dazu, das zurückliegende Jahr Revue passieren zu lassen sowie verdiente Kameraden*innen zu befördern und zu ehren.


Mit Bezug auf die großen Einsätze zu Beginn des Jahres 2025 machte Upheber deutlich, wofür Feuerwehr und Rettungsdienst eigentlich da sind. Die meisten Aufgaben seien nur gemeinsam zu bewältigen. Das hätten die jüngsten, anspruchsvollen Fälle, die sich in den ersten zehn Wochen ereignet haben, wieder einmal deutlich gemacht. Dazu gehörten nicht nur das Busunglück mit einem Massenanfall von Verletzten, sondern auch ein größerer Kellerbrand, die Rettung einer Person, die unter einen Lkw geraten war, ein Chlorgasaustritt im Klinikum, ein Gefahrstoffaustritt in Uphausen, ein Ammoniak-Austritt im Kraftwerk Lahde, eine Reizgasattacke an der Sekundarschule Lahde (beides Stadt Petershagen) und ein Großbrand in Löhne mit einer Rauchgaswolke, die über mehrere Kommunen zog. „Wir leisten nicht nur Hilfe in Minden, sondern übernehmen auch Verantwortung in anderen Kommunen. Andersherum holen wir uns auch Hilfe aus dem Kreisgebiet, wie mit dem ABC-Messzug“, fasste Upheber zusammen.

„Rückblickend auf die vergangenen, fast zehn Jahre im Amt kann ich sagen, dass ich wirklich stolz auf unsere gut aufgestellte Feuerwehr in Minden bin“, sagte Bürgermeister Michael Jäcke in seinem Grußwort. Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr, des Rettungsdienstes und Kameraden der Freiwilligen arbeiteten sehr gut zusammen. Jäcke machte deutlich, dass die Feuerwehr durchaus Priorität genieße. Die Stadt habe weiter an der Umsetzung des Konzeptes „Zukunft der Feuerwehr 2020“ gearbeitet. Dabei seien neue, moderne Feuerwehrhäuser entstanden – zuletzt wurde das Feuerwehrhaus in Meißen eingeweiht -, große und kleine Fahrzeuge sowie technisches Gerät wurden angeschafft. Zuletzt wurde auch kräftig in den Bevölkerungsschutz investiert, so Jäcke. Er wisse aber auch, „wo der Schuh drückt und wo wir auch noch in den nächsten Jahren weiter ran müssen“. Beispiele seien, das Ehrenamt weiter zu fördern, weiter Nachwuchs zu gewinnen, die Aus- und Fortbildung sowie bestehende Raumprobleme zu beheben.

Die Einsätze des Jahres 2024 fasst der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Minden, Martin Ruhe, zusammen. Danach gab es 434 Brandeinsätze, 306 Technische Hilfeleistungen und 155 sonstige Einsätze der Feuerwehr Minden – insgesamt waren es 987. Der Rettungsdienst verzeichnete insgesamt 17.965 Einsätze – mit Krankentransportwagen 3.914, mit Rettungstransportwagen 9.636 und mit Notarzteinsatzfahrzeugen 4.415. Bei den Feuerwehrgerätehäusern sei für den Neubau des Feuerwehrhauses „Nord“ das Grundstück gesichert, die Grundstückssuche für das Feuerwehrhaus „Süd“ lief bislang erfolglos. Beschlossen ist, eine Rettungswache „Süd“ am Johannes Wesling Klinikum zu bauen. Der Grundstückskauf ist bereits erfolgt, die Planungen seien angelaufen, wie Martin Ruhe berichtete.

Das „Paket“ des Bevölkerungsschutzes ist mit Krisenlagen wie dem andauernden Krieg in der Ukraine – in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Es umfasst nicht nur die Themen/Aufgabenbereiche Hochwasser, Starkregenereignisse und Unwetter, sondern auch die Warnung der Bevölkerung (Sirenen), sich für einen längeren Stromausfall („Black out“) zu wappnen, die kritische Infrastruktur und die Trinkwasserversorgung im Blick zu haben, sich um funktionierende Notbrunnen zu kümmern, Störfallbetriebe (z.B. Unternehmen Siegfried) zu betreuen und den Stab für außergewöhnliche Ereignisse zu besetzen.

Martin Ruhe stellte auch die Neuanschaffungen im Bereich der Fahrzeuge, der persönlichen Schutzausrüstung und von technischem Gerät vor. Trotz erheblichen Problemen durch Lieferschwierigkeiten (Verzögerungen von bis zu drei Jahren) und Preissteigerungen (bis zu 20 Prozent innerhalb eines Jahres) konnten wichtige Beschaffungen abgeschlossen werden. Neben Fahrzeugen für den Brandschutz und den Rettungsdienst wurde zum Beispiel in persönliche Schutzausrüstung, neue Atemschutztechnik und Softwarelösungen investiert. Zudem konnten unter anderem eine Drehleiter, vier Einsatzleitwagen, fünf Mannschaftstransportfahrzeuge, sowie zwei Rettungswagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und ein Krankentransportwagen überwiegend als Ersatzbeschaffungen übernommen und in den Dienst gestellt werden.

Die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr verfügt aktuell über 352 Kräfte, 36 in der Unterstützungsabteilung und 83 in der Ehrenabteilung. Die beiden Gruppen der Feuerwehrmusik haben 72 Mitglieder. Damit das Know-how der Einsatzkräfte stets hoch bleibt, wurden auch 2024 wieder über hunderte Stunden in die Aus- und Fortbildung investiert. Dazu kamen noch „ungezählte“ Stunden der Wachausbildungen und Dienstabende der Einheiten.

Der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, Jürgen Stockmann, stellte das neue Werbekonzept und mit dem Motto „Finde dein Feuer“ vor. Die Kampagne soll im Frühsommer starten und mit Gesichtern der Feuerwehr Minden versehen werden. Stockmann übte auch Kritik – an der Politik hinsichtlich teilweise fehlendem Verständnis für die Probleme der freiwilligen Feuerwehr und der schleppenden Behebung von Mängeln in und an den Feuerwehrhäusern.


Stadtjugendfeuerwehrwart Johannes Viermann berichtete aus der Arbeit der Jugendfeuerwehren der Stadt Minden mit jetzt 114 Mitgliedern (Vorjahr: 104) Mitgliedern. 83 Jungen und 31 Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren bilden die Jugendfeuerwehr in Minden. Trotz der positiven Entwicklung gelte es weiter, neue Mitglieder zu werben, so Viermann. Im vergangenen Jahr gab es die erste stadtinterne Fortbildung der Jugendwarte. Es wurden gute Plätze bei den kreisweiten Wettkämpfen belegt. Der Stadtpokal der Jugendgruppen der Feuerwehr Minden wurde in Dützen durchgeführt. Für die Abnahme der Jugendflamme der Stufen 1 und 2 traten mehrere Jugendliche an. Ein Höhepunkt war ein gemeinsamer Ausflug zur Partnerfeuerwehr nach Tangermünde, in diesem Jahr erfolgt der „Gegenbesuch“.


Auf nunmehr 82 Mitglieder ist die Kinderfeuerwehr angewachsen. 61 Jungen und 21 Mädchen sind hier engagiert dabei. Das konnte Stadtkinderfeuerwehrwartin Anja Brinkmann berichten. Neben spannenden Aktionen an den Dienstveranstaltungen, wurde erneut die sogenannte „Kinderflamme“ abgelegt, bei der die kleinsten Mitglieder der Feuerwehr ihr bereits erlerntes Wissen zeigen konnten.

Den größten Teil der Versammlung nahmen die Beförderungen und Ehrungen ein. 15 Neuaufnahmen verstärken nun die Freiwillige Feuerwehr Minden. Es konnten wieder Kameradinnen und Kameraden für die erbrachten Leistungen in Lehrgängen, aber vor allem auch für ihre Lebensleistungen geehrt werden.

Unter den vielen sind zu nennen:

• Marcel Südmeier und Thorsten Jungmann, Feuerwehrehrenzeichen in Silber für 25 Jahre aktive, treue Diensterfüllung

• Cord Meyer und Christoph Kerlen, Feuerwehrehrenzeichen in Gold für 35 Jahre aktive, treue Diensterfüllung
• Eckhard Stegmann, Norbert Stahlhut, Jürgen Stückmann und Stefan Albrecht für 40 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr (jeweils Ehrenzeichen des Verbandes der Feuerwehren in NRW)

• Wilhelm Steinmann für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr, mit dem Ehrenzeichen des Verbandes der Feuerwehren in NRW ausgezeichnet

• Rainer Bort, Marcus Rolfsmeier, Rolf Müller, Wolfgang Husemeier und Ralf Bornemann wurden in die Ehrenabteilungen versetzt.

Allen Kameraden wurde mit kleinen Anekdoten aus dem Einsatzleben gedacht und der große Dank für ihr langjähriges Engagement ausgesprochen.

Fotos von der Jahresdienstversammlung 2025 +++ Bildnachweis: Feuerwehr Minden

Von Julef