„Stille Stunde“ im Lehrschwimmbecken Diestelbruch als besonderes Angebot für Kinder mit Autismus, ADHS und Hochsensibilität.

Detmold. Gedimmtes Licht, keine Musik, ruhiges Wasser und eine begrenzte Teilnehmerzahl: Die Stadt Detmold hat jetzt im Lehrschwimmbecken Diestelbruch einen besonderen Modellversuch gestartet. Unter dem Titel „Stille Stunde“ wurden zwei reizarme Badezeiten angeboten, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind, die von einer ruhigen, geschützten Umgebung profitieren – etwa Kinder mit Autismus, ADHS oder Hochsensibilität.

Ein geschütztes Angebot für mehr Teilhabe

Die „Stille Stunde“ ist ein Angebot für Kinder aus der Kita Vahlhausen und wird durch die LWL-Sozialstiftung finanziert. Initiiert wurde der Versuch von Merle Malburg, Projektleiterin von „Sport inklusiv“. Das Projekt der Stadt Detmold ist eine Kooperation mit Dachverbänden des Sports und umfasst nicht nur inklusive Sportangebote, sondern qualifiziert auch Menschen mit Beeinträchtigungen, um deren Selbstwirksamkeit zu stärken und sie für ein ehrenamtliches Engagement mit Verantwortungsübernahme in Sportvereinen zu befähigen. „Dank der Förderung haben wir die Möglichkeit, gezielt Kinder zu erreichen, die sonst kaum die Gelegenheit haben, Wassererfahrungen in einer verständnisvollen, geschützten Umgebung zu machen“, erklärt Merle Malburg. „Solche Ansätze helfen uns, Sportangebote vielfältiger und inklusiver zu gestalten – davon profitieren Kinder, Familien und die gesamte Stadtgesellschaft.“

Fachliche Begleitung mit Herz

Für die fachliche Durchführung konnte die erfahrene Schwimmlehrerin Inga Queseleit gewonnen werden. Sie gibt seit 16 Jahren Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene und verfügt über eine Zusatzqualifikation im Bereich Inklusion. „Mir ist es wichtig, dass Kinder das Wasser ohne Leistungsdruck erleben können“, betont Inga Queseleit. „Gerade in einer ruhigen Atmosphäre können sie Sicherheit gewinnen und mit Freude Neues ausprobieren.“

Die Leitung der Kita Vahlhausen, Birgit Kleine-Ostmann, berichtet von berührenden Momenten: „Ein Kind war nach seiner ersten Stunde so freudig aufgedreht, dass es in der darauffolgenden Nacht kaum schlafen konnte. Ein anderes entdeckte im Wasser plötzlich, dass es stehen kann, und bewegte sich dort ganz frei und selbstständig – an Land macht es erst seit Kurzem wieder seine eigenen Schritte.“

Auch die Eltern, die ihre Kinder begleiteten, waren begeistert. Die Eltern lernten Griffe und Übungen, um ihre Kinder sicher zu halten und ihnen gleichzeitig möglichst viel Bewegungsfreiheit im Wasser zu ermöglichen. Der geschützte Raum im Lehrschwimmbecken wurde als besonders positiv hervorgehoben: „Die helle Beleuchtung hatten wir ausgeschaltet und stattdessen mit dezenten Lichtquellen für eine gemütliche Atmosphäre gesorgt“, erzählt Merle Malburg.

Ein Schritt in Richtung Inklusion

Der Modellversuch zeigt, wie kleine Anpassungen im Umfeld große Wirkung für mehr Teilhabe entfalten können. Leider vermeiden viele Eltern mit ihren Kindern öffentliche Schwimmbäder, aus Sorge vor Blicken oder Kommentaren anderer Besucherinnen und Besucher. Eine Tatsache, die Merle Malburg tief bewegt: „Das ist traurig, aber leider in vielen Bereichen unserer Gesellschaft tägliche Realität.“

Nach dem gelungenen Auftakt suchen die Verantwortlichen nach Möglichkeiten einer Weiterfinanzierung, um das Angebot langfristig in Detmold zu etablieren.

Merle Malburg (Projektleitung „Sport inklusiv“, Stadt Detmold) und Schwimmlehrerin Inga Queseleit vor dem Lehrschwimmbecken Diestelbruch. Gemeinsam setzen sie sich für inklusive Wassererlebnisse ein. +++ Foto: Stadt Detmold 

Gemütliche Atmosphäre im Lehrschwimmbecken Diestelbruch: Gedimmtes Licht und ruhiges Wasser schaffen einen geschützten Raum für die „Stille Stunde“ +++ Foto: Stadt Detmold

Von Julef