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Rund 250 Schüler*innen und Bürger*innen erinnern an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 82 Jahren – Sechs Millionen Menschen fanden den Tod
Minden.
Mit einer Veranstaltung in der vollbesetzten Petri-Kirche und einem anschließenden gemeinsamen Gedenken am Mahnmal vor dem Stadttheater haben 250 Mindener*innen – darunter viele Schülerinnen und Schüler – am gestrigen Dienstag (27. Januar) an die Opfer des Holocausts erinnert. Es wurden Steine und weiße Rosen niedergelegt. Der 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1996 der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Das Datum erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Jahr 1945.

Sechs Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und politische Gegner des NS-Regimes fanden – direkt hingerichtet oder in den Lagern des nationalsozialistischen Terrorregimes – von 1933 bis 1945 den Tod – alles Menschen mit Namen, mit Familien und mit Träumen. „Der Holocaust war kein abstraktes Verbrechen der Geschichte – er war das Ergebnis von Antisemitismus, Entmenschlichung und Gleichgültigkeit“, machte die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V. (GCJZ), Nina Pape, in ihrer Rede am Mahnmal deutlich. Und weiter: „Wenn wir heute gedenken, dann nicht nur der Vergangenheit wegen, sondern für die Gegenwart und für die Zukunft. Damit jüdisches Leben sicher ist – heute und morgen“.

Der Holocaust-Gedenktag verpflichte, nicht nur zum Erinnern, sondern zum Handeln. Es dürfe kein Ritual sein, das einmal im Jahr darüber gesprochen und danach vergessen werde. Es müsse bedeuten, Antisemitismus zu benennen, auch wenn er unbequem sei und auch wenn er aus Milieus komme, die sich selbst als progressiv oder moralisch überlegen verstehen. „Die Opfer der Shoa mahnen uns: Gleichgültigkeit ist gefährlich, Schweigen ist gefährlich. Wegsehen ist gefährlich“, so Nina Pape.

Bürgermeister Peter Kock, der als stellvertretender Leiter des Herder-Gymnasiums bis 2025 zu den Organisatoren des Gedenkens gehörte, betonte am Mahnmal, dass dieses Ritual, alljährlich an die Opfer des Holocausts zu denken, notwendig ist, um sich zu vergewissern, aus der Vergangenheit heraus die Gegenwart anzuschauen, um sich gemeinschaftlich für die Zukunft auszurichten. Am Mahnmal in Minden werde alljährlich ein Zeichen für eine Zukunft ohne Hass und Hetze, Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus gesetzt – für ein vielfältiges, weltoffenes Stadtbild. Kock zitierte die kürzlich im Alter von 103 Jahren verstorbene Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, die 2019 sagte: „Ich bin nach Deutschland zurückgekommen, um mit Ihnen zu sprechen, Ihnen die Hand zu reichen und Sie zu bitten, dass Sie die Zeitzeugen werden.“

„Lasst uns diese Zeitzeugen sein, für die Opfer der Vergangenheit und wachsam sein in unserer Zeit, für die Opfer heute an vielen Orten in Kriegs- und Krisengebieten, für unsere solidarische, menschliche Zukunft“, appellierte Kock an die Anwesenden. Er dankte allen, die an der Organisation des Mindener Gedenkens 2026 beteiligt waren, und er dankte auch den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern für ihre Mitwirkung an der Veranstaltung in der Petri-Kirche, der unter dem Titel stand „Die Toten verpflichten die Lebenden“.

Schülerinnen des Ratsgymnasiums, des Herdergymnasiums, des Besselgymnasiums, der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, des Weser-Kollegs und der Waldorfschule Minden haben ein bewegendes Programm – auch musikalisch – gestaltet. Es wurde unter anderem aus dem Gedenkbuch der Bundesregierung zitiert und an jüdische Mindener*innen erinnert. Die Ereignisse in der Reichspogromnacht in Petershagen kamen zur Sprache. Zwei Schülerinnen lasen aus einem Brief an den ermordeten Karl Bentlage. Schüler*innen des Ratsgymnasiums berührten die Zuschauenden mit einem fiktiven Tagebucheintrag von Herbert Lindemeyer. Die Schicksale von Julius und Günter Hellmann wurden von Schülerinnen und Schülern des Besselgymnasiums vorgetragen. Den Abschluss bildete ein Stück des Herder-Chors unter der Leitung von Nina Doormann.

Unterstützt wird die Gedenkveranstaltung jedes Jahr auch durch den Arbeitskreis Stolpersteine, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V., den Evangelischen Kirchenkreis Minden, das Kommunalarchiv Minden, den Mindener Geschichtsverein e.V., den Verein Minden – Für Demokratie und Vielfalt e.V. sowie die Stadt Minden.

Nach der Gedenkveranstaltung in der Petri-Kirche versammelten sich die Teilnehmenden am Mahnmal
Die Vorsitzende der GCJZ, Nina Pape, und Bürgermeister Peter Kock sprachen am Mahnmal
Die Teilnehmer legen Blumen und Steine an das Mahnmal
Rosen und steine auf dem Mahnmal