Geoinformation der Stadt setzt Miniaturstadt von Norbert Jebramcik in 3D-Modell um

Gütersloh (gpr). Die Ausstellungen der historischen Gütersloher Stadtmitte im Miniaturformat von Norbert Jebramcik haben viele Interessierte angezogen. Jetzt ist die Kerninnenstadt, wie sie um das Jahr 1900 aussah, dauerhaft virtuell zu erleben: Die Abteilung Geoinformation der Stadt hat sie in ein interaktives 3D-Modell umgesetzt, in dem man herumspazieren, die Gassen und Gebäude aus allen Winkeln erkunden und sogar erfahren kann, wer dort gewohnt hat. Zu finden ist das Stadtmodell „Gütersloh um 1900“ im städtischen Geoportal unter www.geodaten.guetersloh.de.

Jebramciks detailgetreue Wunderwelt aus Häusern, Kirchen, Bäumen, Laternen und Straßen stellt das Zentrum dar, wie es vor rund 125 Jahren gebaut war – von der Blessenstätte bis zum Bahnhof und von der Apostelkirche bis zum Wilhelm-Florin-Weg. „Die Idee, eine historische Stadtansicht in 3D anzubieten, stand bei uns schon länger im Raum“, so Claudius Gouders, Leiter der Geoinformation bei der Stadt Gütersloh. „Als das einzigartige Modell von Norbert Jebramcik komplett in der Stadthalle ausgestellt war, haben wir die Chance ergriffen.“

Das Team machte sich daran, die rund 700 Häuser und kleineren Anbauten auf mehr als 60 Quadratmetern Fläche zu digitalisieren. Und zwar per Fotogrammetrie. Mittels einer speziellen Handy-App scannte Vincent Ulinski alle Einzelheiten ab – zwei Tage dauerte das. Der 20-Jährige ist Auszubildender zum Geomatiker und machte das virtuelle Stadtmodell zu seinem Projekt. „Die App erzeugt eine Punktwolke und daraus ein 3D-Modell mit texturierter Oberfläche“, beschreibt er das Bildmessverfahren.

Doch damit nicht genug: Mit dem Ziel eines möglichst realitätsgetreuen Abbilds führte Vincent Ulinski noch die Georeferenzierung durch, den Abgleich des digitalen Modells mit den tatsächlichen geografischen Koordinaten. Vor allem die Straßen überprüfte er auf ihre korrekte räumliche Verortung. Als Basis dienten ihm eine eingescannte historische Flurkarte und eine aktuelle Stadtkarte, da im Modell Gebäude markiert sind, die heute noch stehen. Schließlich wurde das dreidimensionale Modell ins Geoinformationssystem eingespielt, dort nochmals präzisiert und in Darstellung und Bedienbarkeit optimiert.

Nun lädt es dazu ein, in das Gütersloh vor 125 Jahren einzutauchen. Aus allen Blickwinkeln können Gebäude und Straßenzüge erkundet werden. Besondere Orte sind hervorgehoben. Übernommen wurden auch Norbert Jebramciks Listen darüber, wer um 1900 in den Häusern gewohnt hat – eine Bereicherung, die den spannenden Streifzug durch die Vergangenheit noch „echter“ macht.

geodaten.guetersloh.de

Gütersloh um 1900: Die Abteilung Geoinformation der Stadt Gütersloh hat die historische Miniaturstadt von Norbert Jebramcik in ein interaktives 3D-Modell umgesetzt. Im städtischen Geoportal kann man jetzt virtuell zum Beispiel zwischen Martin-Luther-Kirche und altem Rathaus (im Bild) umherspazieren. Das Projekt verantworten Vincent Ulinski (links), Auszubildender zum Geomatiker, und Claudius Gouders, Abteilungsleiter Geoinformation. Foto: Stadt Gütersloh

Von Julef