Im Oktober 1986 starteten mehr als 100 junge Frauen und Männer mit dem Diplom-Ingenieurs Studiengang der Landespflege in der Hochschule an der Wilhelmshöhe in Höxter. Damals gehörte der Standort noch zur Universität Gesamthochschule Paderborn. Heute heißt der Studiengang „Landschaftsarchitektur“ und der Hochschulstandort ist der Technischen Hochschule OWL zugeordnet.

40 Jahre nach Beginn ihres Studiums kehrten nun 25 Studierende zum Semestertreffen nach Höxter zurück. „Es ist, als würde man nach Hause kommen“ sagt Christian Mußehl, selbstständiger Landschaftsarchitekt aus Lübeck. Seit dem Studium in der Weserstadt schwärmt er von der wunderschönen Landschaft, in die Höxter eingebettet ist.

Die Mitstudierenden kamen aus der gesamten Bundesrepublik. Viele hatten sich den Standort Höxter bewusst für ihr Studium ausgesucht: Klein, überschaubar und mit sehr gutem Ruf, vor allem im Bereich der ökologischen Planung. Die ehemaligen Studierenden reisten jetzt aus Städten zwischen Ostsee, Nordsee, Lausitz und Schwarzwald an. Fast alle sind heute noch als Dipl.-Ingenieure Landespflege in Garten- und Landschaftsarchitekturbüros, Infrastruktur-Ingenieurbüros, Naturschutzbehörden, Biologischen Stationen, Straßenbauverwaltungen, Garten- und Landschaftsbauunternehmen bis hin zur Biosphärenreservatsverwaltung tätig.

Gestartet wurde das Semestertreffen im Botanischen Garten der Hochschule. Der inzwischen pensionierte Professor Christoph Althaus führte die in Höxter ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieure zwei Stunden lang quer durch den inzwischen ebenfalls etwa 40 Jahre gewachsenen parkartigen Garten. Das Motto der Führung lautete „Klimaresiliente Arten in der Freiraumplanung“. Professor Althaus war wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens bis 2019 und begeisterte nun die Ex-Studierenden mit viel Fachwissen zur standortbezogenen Baum-, Strauch- und Staudenauswahl unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels. Der Spätsommer im Höxteraner Botanischen Garten bietet eine Fülle unterschiedlicher Blatt-, Blüten- und Fruchtformen sowie Farben. Viele Teilnehmer lobten dabei auch den sehr guten Pflegezustand der Parkanlage, die sich harmonisch zwischen den Hochschulgebäuden des Campus Höxter am Hang des Ziegenberges entlang zieht.

Einen besonderen Höhepunkt stellten für viele die inzwischen perfekt eingewachsenen Mauergärten dar. Dort werden Beispiele für eine attraktive Gestaltung auch kleinster Gartenflächen präsentiert: Schattenspendende Pergolen, Sitzmobiliar, Wasserbecken, Beete und Fassadenbegrünung machen die Gärten zu einem zweiten Wohnzimmer.

In neu angelegten Pflanzflächen oberhalb der Mauergärten wird laut Althaus gerade erforscht welche mediteranen Pflanzenarten auf unterschiedlichen Ausgangssubstraten ohne weitere Bewässerung lebensfähig bleiben. „Praxisbezogene und angewandte Forschung in Zeiten der Klimafolgenanpassung“ loben die Teilnehmenden, die heute bei ihren Pflanzplanungen im städtischen Raum regelmäßig eine Pflanzenauswahl für immer heißere und trockenere Standorte treffen müssen.

Auf mehrfache Nachfragen der Teilnehmenden gab Prof. Christoph Althaus auch einen Kurzüberblick über den bisherigen Ablauf der Strukturreform der TH OWL mit der Neuzuordnung der Höxteraner Studiengänge zu den neuen Fachbereichen in Detmold und Lemgo. Ergänzt wurden seine Ausführungen durch einen Bericht von Barbara Draesner und Bernd Schackers zu den Aktivitäten zur Rettung der Umweltstudiengänge am Standort Höxter. Beide gehören ebenfalls dem 1986er Erstsemester an. Barbara Draesner, Organisatorin des Semestertreffens, arbeitet in der niedersächsischen Landesumweltverwaltung. Bernd Schackers ist geschäftsführender Mitgesellschafter des UIH Planungsbüros in Höxter. Beide sind, wie viele andere Studierende auch, nach dem Studium in Höxter geblieben und unterstützen im „Aktionskreis Lehre am Hochschulstandort Höxter“ die Aktivitäten zur Weiterentwicklung des Campus Höxter. Dafür gab es von vielen Mitstudierenden großen Zuspruch und unterstützende Worte. So kündigte Stefan Pallaske, heute Abteilungsleiter Stadtgrün der Technischen Betriebe Wilhelmshafen, spontan seine Unterstützung bei einer künftigen Werbung für die Landschaftsarchitektur- und Umweltstudiengänge am Standort Höxter an. „Die Stadt Wilhelmshafen sucht ständig Fachkräfte, um die immer umfangreicheren kommunalen Aufgaben, wie zum Beispiel Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung, bewältigen zu können“ beschreibt Pallaske den sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel. Doris Hermann, Landschaftsarchitektin aus Wilnsdorf bei Siegen ergänzt, dass sie in ihrem Landschaftsarchitekturbüro bei Neueinstellungen über all die Jahre mit Höxteraner Absolventinnen und Absolventen beste Erfahrungen gemacht hat. „Da weiß man, was man hat“ lobt Hermann die bisherige Ausbildungsqualität in Höxter.

Ebenso begeistert äußert sich Elmar Herget, heutiger Sachgebietsleiter Naturschutz der hessischen Biosphärenreservatsverwaltung Rhön im Landkreis Fulda. Ihm habe das Studium in Höxter mit der wunderschönen und artenreichen Kulturlandschaft „vor der Haustür“ ein hervorragendes Fundament für seinen Beruf verschafft. Im Vergleich zu vielen anderen Hochschulstandorten sei in Höxter der Erhalt und die Einbeziehung wertvoller Grünbestände in die Neuplanung von Freiflächen ein wichtiger Aspekt des Studiums gewesen. Als Beispiel führte Herget die Landesgartenschau 2023 in Höxter an. Aufgrund des großen städtebaulichen Mehrwertes und der Einbindung des alten Baumbestandes und naturnaher Flächen sei diese LGS eine der besten gewesen, die er bisher gesehen habe.

Kein Verständnis gab es für die Planungen der Hochschulleitung die aktuellen Studiengänge perspektivisch nach Detmold und Lemgo zu verlagern. „Wie kann man eine solche Perle wie Höxter für die Ausbildung in grünen Berufen fallen lassen“ äußerten sich gleich mehrere Teilnehmende mit Kopfschütteln. „Selbst nach Jahrzehnten macht der Campus mit seinem Gebäudebestand und dem hoch attraktiven Botanischen Garten eine sehr gute Figur“. Da habe er an anderen Hochschulen in OWL schon ganz andere bauliche Zustände gesehen betont Dirk Esplör, Leiter der Biologischen Station Minden-Lübbecke. Es könne doch nicht angehen eine solche Infrastruktur in diesem herausragenden landschaftlichen Umfeld aufzugeben und andernorts dafür Millionenbeträge neu ausgeben zu wollen.

Nach der beeindruckenden und motivierenden Exkursion durch den Botanischen Garten wurde das Semestertreffen mit vielen Diskussionen, dem Austausch von Erinnerungen an die Studienzeit, aber auch die Debatte um die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und beruflichen Herausforderungen bis spät in die Nacht und mit einem gemeinsamen Frühstück fortgesetzt.

„Höxter hat mit seinen Landschaftsarchitektur- und Umweltstudiengängen beste Entwicklungsmöglichkeiten, auch zur Etablierung von Alleinstellungsmerkmalen und damit zur Einwerbung einer deutlich größeren Zahl Studierender“ betont Landschaftsarchitekt Schackers.

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass ihr Studium in Höxter ein sehr guter und prägender Lebensabschnitt war. „Studiert in Höxter“ sei nicht nur eine Marke und ein toller Rückblick auf die eigenen Ausbildungsjahre. „Studiert in Höxter!“ müsse als Appell an interessierte junge Leute künftig viel lauter und mit großem Engagement in Deutschland verbreitet werden, damit die Studierendenzahlen wieder steigen. Dazu wollen viele des Landespflege-Erstsemesters von 1986 mithelfen. Von diesem Semestertreffen geht also nicht nur ein freudiger Rückblick auf die eigenen jungen Jahre, sondern auch ein Stück Aufbruchstimmung für den Hochschulstandort Höxter aus.

Übrigens: Eine Einschreibung in die Höxteraner zulassungsfreien Bachelor-Studiengänge für das Wintersemester 2026/2027 ist laut TH OWL (https://www.th-owl.de/studium/studienstart/studierhier/#tab-c98355-2) noch bis 15. Oktober möglich, berichten Barbara Draesner und Bernd Schackers.

BU: Nach 40 Jahren gibt es ein Wiedersehen des Landespflege Erstsemesters des Jahres 1986 an alter Wirkungsstätte, dem Hochschulstandort Höxter an der Wilhelmshöhe 44 Foto: Christoph Althaus

BU: Prof. Christoph Althaus (Mitte) nimmt die ehemaligen Studierenden des Erstsemesters 1986 mit auf eine Reise durch den Botanischen Garten am Hochschulstandort Höxter Foto: Bernd Schackers

BU: Engagiert präsentiert Prof. Christoph Althaus, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens Höxter, viele Details zur Standortwahl und den Eigenschaften von Bäumen, Sträuchern und Stauden. Foto: Bernd Schackers

BU: Bernd Schackers hat ebenfalls 1986 sein Landespflege-Studium in Höxter aufgenommen. Nun engagiert sich der Geschäftsführer des in Höxter ansässigen UIH Planungsbüros zusammen mit vielen ehemaligen und aktuell Studierenden im „Aktionskreis Lehre am Hochschulstandort Höxter“ für die Fortführung und Weiterentwicklung der in Höxter angebotenen Studiengänge Foto: Bernd Schackers

BU: Auch im Spätsommer und Herbst bietet der Botanische Garten des Hochschulstandortes Höxter attraktive Formen, Farben und Düfte der hier wachsenden Pflanzen Foto: Bernd Schackers

Von Julef