PREMIERE Sa. 11.04.26 um 19:30 Uhr im Stadttheater

  1. Teil (URAUFFÜHRUNG)
    Choreografie Felix Landerer Komposition Christof Littmann Bühne Britta Bremer Kostüme
    Bregje van Balen Mitarbeit Kostüme Tim Dekker, Zora Mette Lichtdesign Johann Kaiser-
    Kranefoed Dramaturgie Felix Berning Choreografische Assistenz Anila Mazhari, Richèl Wieles
    Getanzt von
    Dorėja Atkočiūnas / Rhiannon Beausoleil-Morisson / Gaya Bommer-Yemini / Félix Bossard /
    Hampus Larsson / Jean Gabriel Maury / Hiro Murata / Chiara Pareo / Jacob Phillips / Naomi
    Shirel Turnpu
  2. Teil
    Choreografie, Bühne Felix Landerer Komposition Christof Littmann Kostüme Bregje van Balen
    Mitarbeit Kostüme Tim Dekker, Zora Mette Lichtdesign Bonnie Beecher, Johann Kaiser-
    Kranefoed Choreografische Assistenz Anila Mazhari, Richèl Wieles
    Getanzt von
    Dorėja Atkočiūnas / Alex Avni* / Rhiannon Beausoleil-Morisson / Gaya Bommer-Yemini / Félix
    Bossard / Hella Dräger** / Hampus Larsson / Jean Gabriel Maury / Hiro Murata / Chiara Pareo /
    Jacob Phillips / Naomi Shirel Turnpu
    *Praktikantin von TANZ Bielefeld
    **Mitglied des Bielefelder Studios

»Alles wird gut.« Ein Satz, der in den letzten Jahren wohl stark an Glaubwürdigkeit
verloren hat und dennoch einer, nach dessen kompromisslosem Optimismus wir uns
so sehr sehnen. Für seine letzte Arbeit als Künstlerischer Leiter von TANZ Bielefeld
beschäftigt sich Felix Landerer mit dem zutiefst menschlichen Bedürfnis nach Zuversicht
in einer Zeit, die von zunehmendem Ungleichgewicht geprägt ist.
Den Abend eröffnet eine Uraufführung, die in enger Kollaboration mit dem Ensemble
entsteht. Fünf Duette, fünf Begegnungen. Jedes davon setzt dabei einen eigenen Fokus:
die entleerte Geste von Zuversicht trifft auf radikal gelebte Trauer, Fürsorge kippt in
Zurückweisung. Dialoge darüber, sich Umständen oder dem Gegenüber zu ergeben –

weniger aus Unterlegenheit, sondern aus tiefem Vertrauen. Haltungen stehen sich
unversöhnlich gegenüber, Optimismus gegen Aufgabe, Vorwurf gegen die Möglichkeit
von Empathie. Und immer wieder die offene Wunde: Woran halten wir uns noch fest,
wenn selbst Vernunft uns nicht davon abhält, dieselben zerstörerischen Muster zu
wiederholen? Wann lohnt es sich, seinen Widerstand aufzugeben, und wann ist er
dringend notwendig?

»So herausfordernd Duette auch sind, werden sie von Tänzerinnen oft als die erfüllendste Aufgabe erlebt, weil sie die intimste Verbindung auf der Bühne zeigen«, sagt Landerer. »Sie verlangen nicht nur volles Vertrauen in die Partnerinnen, sondern
auch in die intensive choreografische Arbeit im Studio.« In seiner letzten Arbeit als
Spartenleiter sollte das Ensemble noch einmal Raum bekommen, sich individuell zu
zeigen und kreativ einzubringen. »Die Duette sind aus absoluter Offenheit entstanden,
sodass ich auf den Input der Tänzer*innen reagieren konnte. Nach drei gemeinsamen
Spielzeiten genieße ich es sehr, aus unserer erarbeiteten Bewegungssprache zu
schöpfen und darauf Neues zu bauen.«

Das Bühnenbild zur Neukreation entstand in Zusammenarbeit mit Britta Bremer. Ein
großer Stoffzylinder schwebt über der nüchternen, weiten Bühne. »Ich wollte etwas, das
Einfluss auf die Tänzer*innen hat, vielleicht auch eine Begrenzung darstellt. Mittlerweile
sehe ich darin aber auch einen mentalen Zustand. Etwas, das über uns schwebt und auf
eine Art Zuversicht hemmt. Etwas, das gelüftet oder akzeptiert werden muss und inner-
halb dieses Konstrukts die Frage aufwirft, wie Optimismus möglich ist, wenn man sich
ständig in einer Art Wolke von Negativität befindet.« Positive Möglichkeiten werden
aber oft übersehen, während negative Schlagzeilen unsere Aufmerksamkeit dominieren.

Der zweite Teil trägt den Titel des Abends: »Everything Will Be OK« entstand 2022 für
das Ballet BC in Vancouver, Kanada. Da das Thema heute relevanter denn je ist, greift
Landerer das Werk erneut auf und erweitert es für Bielefeld. »Es ist spannend zu sehen,
wie sich das Arbeiten hier von dem in Kanada unterscheidet«, sagt Landerer. »Die
Tänzer*innen sind bereits mit Material und Prinzipien vertraut, sodass der Prozess
unglaublich schnell geht. Gleichzeitig merkt man, dass das Ensemble an die Qualität des
renommierten Ballet BC heranreichen will – oft gelingt ihnen das sogar noch intensiver,
durch die Detailarbeit, die aus unserer gemeinsamen Erfahrung erwächst. Es war auf
jeden Fall wert, das Stück hier wieder aufzunehmen, mit einer ganz neuen
Ausgangsbasis.«

Auf der Bühne weichen dem riesigen Trichter rotierende, leuchtende Metallarme. Sie
greifen das zirkuläre, unendliche Motiv auf, schwingen immer schneller und überrollen
die Tänzer*innen regelrecht. Man wird von Kräften verschlungen, die man selbst in
Gang gesetzt hat, ohne Warnsignale wahrzunehmen. Das Ensemble kreist um das
Spannungsfeld zwischen Kontrollverlust und Eigenbestimmung: Wo liegt die Grenze
Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld · Brunnenstraße 3 – 9 · 33602 Bielefeld
Intendantin: Nadja Loschky / Verwaltungsdirektorin: Stefanie Niedermeier
zwischen aktivem Gestalten und bloßem Reagieren auf die Konsequenzen unseres
eigenen Handelns?

Die elektronische Komposition von Landerers langjährigem künstlerischen Sparring-
partner Christof Littmann verstärkt Druck und Rhythmus, gibt zugleich Sicherheit und
schafft Momente der Leichtigkeit. Sie ist ein Echo der Themen des Abends. Landerer
verabreicht keine Happy Pill – bietet keine Abkürzung zur Zuversicht. »Everything Will
Be OK« fordert dazu auf, den Titel als Frage zu verstehen: Wie lässt sich Optimismus
bewahren, wenn alles über einen hereinbricht? Gegen welche Widerstände verteidigt
man Hoffnung? Wer glaubt noch an ein Happy End?


Nächste Termine 11.04. / 16.04. / 26.04. / 02.05. / 09.05. …
Karten T. 0521 51 5454 // www.theater-bielefeld.de

CHOREOGRAFIE
Nach seiner Ausbildung am Gymnasium Essen-Werden und an der Hochschule für Musik
und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main tanzte Felix Landerer für acht Jahre unter
anderem als Solist im Ensemble der Staatsoper Hannover. Parallel zu seiner Laufbahn als
Tänzer choreografierte Felix Landerer bereits für das Ensemble der Staatsoper Hannover
und das Bale Teatro Guaira in Curitiba, Brasilien, bevor er sich 2006 als Choreograf
selbstständig machte. 2010 gründete er seine eigene Compagnie LANDERER&COMPANY
in Hannover. Für das Duett SUITS gewann Felix Landerer im April 2010 den ersten Preis
beim Internationalen Wettbewerb für Choreografen in Hannover und erhielt zudem den
Produktionspreis von Ed Wubbe für das Scapino Ballet Rotterdam. 2011 wurde er Haus-
Choreograf des Scapino Ballets Rotterdam und kreierte bis 2017 für das Ensemble. Die
für das Scapino Ballet Rotterdam geschaffene Produktion BLIND SPOT wurde 2013 im
Rahmen des holländischen Tanzpreises »The Swan« als »Beste Tanzproduktion« nomi-
niert. 2017 erhielt LANDERER&COMPANY den Pro Visio Preis für außergewöhnliche
künstlerische Leistungen für die Produktion REVOLTE! sowie den Stadtkulturpreis
Hannover für herausragendes bürgerschaftliches Engagement in Kunst und Kultur.
Felix Landerer ist international als Gastchoreograf gefragt. In den letzten Jahren entstan-
den Choreografien u.a. für die Tanzcompagnie der Oper Göteborg, für das Nederlands
Dans Theater (NDT) I und II, das Ballet BC in Vancouver, das Nationaltheater Mannheim,
das Konzerttheater Bern, für Norrdans in Schweden sowie für das NWDP
Portland/Oregon. Außerdem leitet er international Inklusions-Programme und Work-
shops, um seine Leidenschaft für Bewegung und nonverbale Kommunikation mit
Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zu teilen.
Seit Beginn der Spielzeit 2023/24 ist er künstlerischer Leiter von TANZ Bielefeld und
Chefchoreograf am Theater Bielefeld.

Tänzer des Ballet BC in Kanada in Everything Will Be OK_photo by Michael Slobodian

Von Julef