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23.01.2026 | Bielefeld (bi)

Der Kronenkranich ist das „Zootier des Jahres 2026“. Die Kampagne „Zootier des Jahres“ wurde 2016 ins Leben gerufen mit dem Ziel, sich für besonders bedrohte Arten ohne Lobby einzusetzen. Mit dem Kronenkranich kann das „Zootier des Jahres“ erstmalig auch in Bielefeld bestaunt werden. Denn neben dem allseits beliebten Tierpark Olderdissen besitzt die Stadt Bielefeld eine weitere kostenfrei zugängliche Tierhaltung, nämlich im Bürgerpark nahe der Rudolf-Oetker-Halle. Die Haltung von Kronenkranichen (Balearica regulorum gibbericeps) und Jungfernkranichen (Anthropoides virgo) hat hier eine jahrzehntelange Tradition. 2021 ging die große übernetzte Voliere in Betrieb, die ein Feuchtgebiet als Lebensraum nachbildet. Fachliche Expertise für die Vogelhaltung kommt vom Tierpark. Neben den Kranichen sind in die Voliere auch Löffelenten (Spatula clypeata) eingezogen. 

Im Jahr 2023 wurden die Geschlechter beider Kranicharten in der Voliere im Bürgerpark komplettiert, verbunden mit der Hoffnung, irgendwann einmal Nachzucht zu haben. Wer aber diese wahrlich beeindruckenden Vögel vermehren will, braucht neben einem geeigneten Gehege vor allem auch Geduld. Jetzt, drei Jahre später, ist damit zu rechnen, dass sich allmählich die Paare bilden. Für eine erfolgreiche Nachzucht kann es aber noch ein paar weitere Jahre dauern.

Der Kronenkranich und der Jungfernkranich

Lange Hälse, lange Beine und gerade Schnäbel kennzeichnen die großen Kraniche. Bei manchen Arten windet sich die Luftröhre am Brustbein spiralförmig verlängert, was einen guten Resonanzkörper bietet und die Laute kraftvoll erklingen lässt. Kronenkraniche stammen ursprünglich aus Afrika und bewohnen offene Graslandschaften in Wassernähe. Brutzeit ist im Frühjahr, Brutdauer rund 30 Tage, ein Gelege umfasst bis zu vier Eier. Namensgebend ist die auffallend strohgelbe Federkrone auf dem Kopf. Ansonsten ist das Gefieder vornehmlich blaugrau.

Der Jungfernkranich stellt die kleinste Kranichart dar. Sein Gefieder ist hellgrau. Diese Art besitzt ein weites Verbreitungsgebiet, von Südeuropa über Nordafrika bis in die Mongolei. Sie überwintern als Zugvögel in Afrika. Auch der Lebensraum ist sehr vielgestaltig – von der Trockensteppe bis zum Sumpfgebiet. Jungfernkranichgelege bestehen aus zwei Eiern, die Brutdauer liegt bei ebenfalls etwa 30 Tagen. Der Bestand in der Natur ist noch häufig, wenn auch zurückgehend. Die Vögel werden durch vielerlei bedroht: unter anderem durch die Trockenlegung der Sümpfe, die als Brutrefugium dienen. Im Herbst des vergangenen Jahres hat das große Sterbegeschehen beim Europäischen Graukranich, einem Verwandten, infolge der Vogelgrippe für viel Aufsehen aber auch Mitgefühl gesorgt.

Zootier des Jahres macht auf Tiere ohne Lobby aufmerksam

Die Kampagne „Zootier des Jahres“ wurde 2016 ins Leben gerufen mit dem Ziel, sich für besonders bedrohte Arten ohne Lobby einzusetzen, die normalerweise nicht im Rampenlicht stehen. Häufig kommen bei der Kampagne unbekannte exotische Tiere zum Zuge. 2025 oblag dem Gürteltier die Ehre. Auch Leoparden (2016), Kakadus (2017), Scharnierschildkröten (2018), Gibbons (2019), Beos (2020), Krokodile (2021), Pustelschweine (2022), Aras (2023) oder Gekkos (2024) waren schon dran.

Wichtig dabei war es, nicht nur eine Werbeaktion durchzuführen und auf das Schicksal bedrohter Tierarten aufmerksam zu machen, sondern konkret etwas für die Projekte vor Ort zu bewegen. Um in Form von Öffentlichkeitsarbeit für Tierarten ohne Lobby und langfristigen Artenschutzmaßnahmen möglichst viel für die im Fokus stehende Tierart bewirken zu können, bündelten vier im Artenschutz aktive Partner ihre Kräfte: die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), die Deutsche Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG), die Gemeinschaft der Zooförderer e.V. (GdZ) und der Verband der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ). Die ZGAP übernahm die Auswahl der jährlichen Fokusarten und der zugehörigen Projekte mitsamt der Projektverwaltung sowie die Organisation der Kampagne. Über das Kampagnenjahr betreiben die Zoologischen Gärten und Zooförderer Arbeit für die jeweiligen Tiere und sammeln Spenden für die unterstützten Projekte. Damit werden Maßnahmen umgesetzt, die der jeweiligen Tierart und dem Projektteam vor Ort im natürlichen Lebensraum einen möglichst langfristigen, nachhaltigen Nutzen für ihre Artenschutzarbeit bringen.

Verantwortungsvolle Zoologische Gärten sind „Schaufenster der Biodiversität“. Sie arbeiten zusammen, um gemeinsam etwas zu erreichen. Zootiere sind Botschafter für die in der Natur freilebenden Artgenossen, für deren Schutz alle Besucherinnen und Besucher sensibilisiert werden. Gerade in Bielefeld, wo dies kostenfrei möglich ist – sei es im Bürgerpark oder im Tierpark Olderdissen – ergibt sich immer eine gute Möglichkeit, mehr über das Leben der Tiere zu erfahren.

Mit dem Kronenkranich kann das „Zootier des Jahres“ erstmalig hier auch in Bielefeld bestaunt werden. Insgesamt drei Kronenkraniche leben in der Voliere im Bürgerpark. Foto: Stadt Bielefeld/UWB

Stellen das Zootier des Jahres in Bielefeld vor (v.l.): Christian Ebert (Vorarbeiter im Bürgerpark, UWB) und Tierparkleiter Dr. Benjamin Ibler. Foto: Stadt Bielefeld/UWB