Anne Willinghöfer übergibt 300 Jahre Familiengeschichte an das Delbrück Stadtarchiv

Delbrück (StDel). Das heutige Heimathaus am Kirchplatz gehört zu den geschichtsträchtigsten Gebäuden Delbrücks. Seine Geschichte reicht mehr als 200 Jahre zurück und ist eng mit den Familien Lohmann, Heising, Gockel und Schmidtmann verbunden. Nun erhält diese Geschichte ein neues Kapitel: Anne Willinghöfer, Tochter des verstorbenen Dr. med. Bernd Schmidtmann, hat dem Stadtarchiv Delbrück einen außergewöhnlichen Bestand historischer Dokumente aus rund 300 Jahren Familiengeschichte übergeben.

Drei Umzugkartons voller Geschichte

Auf Anregung des Delbrücker Geschichtsforums stellte Anne Willinghöfer dem Stadtarchiv im Juli insgesamt drei große Umzugskartons mit historischen Unterlagen zur Verfügung. Gemeinsam mit Nicole Fornefeld vom Stadtarchiv sowie Michael Hagemann und Hans Wieners vom Delbrücker Geschichtsforum wurden die Dokumente erstmals gesichtet.

Zum umfangreichen Nachlass gehören historische Fotoalben, Poesiealben, alte Ausweise, Tagebücher, handschriftliche Notizen, persönliche Aufzeichnungen, Urkunden sowie zahlreiche weitere Zeugnisse des Alltagslebens der Arztfamilien Schmidtmann und Gockel. Weiterhin enthalten die Unterlagen wertvolle Dokumente zu den Familien Heising und Lohmann, deren Geschichte untrennbar mit dem Haus am Kirchplatz verbunden ist.

Die Anfänge des Hauses am Kirchplatz

Die Wurzeln des heutigen Heimathauses reichen bis in das Jahr 1802 zurück. Nach ihrer Hochzeit mit Heinrich Joseph Lohmann zog Maria Bernardine Lohmann in das Haus am damaligen Kirchplatz Nummer 10 ein, das ihr Vater Johann Caspar Lohmann erworben hatte und von dem aus er erfolgreich Handel betrieb. Nach dem Tod ihres Mannes ließ Bernardine Lohmann das Gebäude im Jahr 1831 grundlegend umbauen. Später ging das Haus an ihren Sohn Caspar Anton Lohmann über.

Caspar Anton Lohmann zählt bis heute zu den bedeutenden Wohltätern Delbrücks. Nachdem seine Ehefrau und alle fünf Söhne vor ihm verstorben waren, stiftete er am 25. Oktober 1868 ein Drittel seines Barvermögens zur Errichtung eines Waisenhauses. Das Wohnhaus am Kirchplatz vermachte er seinem Großneffen Friedrich Heising.

Um die Jahrhundertwende praktizierte dort der Arzt Dr. med. Paul Josef Gockel, Schwiegersohn von Friedrich Heising. Seine Tochter Anna heiratete später Dr. med. Joseph Schmidtmann, der die Arztpraxis übernahm und über viele Jahrzehnte das medizinische Leben Delbrücks prägte. Zahlreiche Delbrückerinnen und Delbrücker kamen durch ihn im Delbrücker Krankenhaus zur Welt. Bis zu ihrem Tod lebte Anna Schmidtmann in dem Haus am Kirchplatz.

Vom Wohnhaus zum Heimathaus

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des Gebäudes markierte das Jahr 1982. Anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens erwarb die Stadtsparkasse Delbrück das Haus von Dr. med. Bernd Schmidtmann und schenkte es der Stadt Delbrück. Im selben Jahr wurde der Heimathausverein gegründet, in dem die Heimatvereine aller zehn Delbrücker Ortsteile Mitglied sind. Der Verein koordinierte die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes, das nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahr 2002 offiziell als Heimathaus der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Heute beherbergt das historische Gebäude unter anderem Räume für Beratungsangebote der Caritas, die Museen der St. Johannes Schützenbruderschaft Delbrück sowie des Karnevalvereins Eintracht von 1832 e.V.. Im Obergeschoss befinden sich ein Versammlungsraum, das Schulmuseum, ein historischer Trachtenraum und eine Küche. Der Gewölbekeller dient ebenfalls als Veranstaltungsraum.

Mit der Übergabe des umfangreichen Familienarchivs erhält das Stadtarchiv Delbrück nun einen bedeutenden Quellenbestand für die Erforschung der Stadtgeschichte. Besonders wertvoll ist unter anderem eine Dia-Sammlung von Dr. med. Joseph Schmidtmann mit zahlreichen Ansichten Delbrücks aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die Unterlagen werden dauerhaft gesichert, wissenschaftlich ausgewertet und stehen künftig sowohl der historischen Forschung als auch dem Delbrücker Geschichtsforum für weitere Recherchen und Veröffentlichungen zur Verfügung.

Anne Willinghöfer (3. v. l.) übergab dem Delbrücker Stadtarchiv einen außergewöhnlichen Bestand historischer Dokumente aus rund 300 Jahren Familiengeschichte. Darüber freuen sich: (v. l.) Michael Hagemann, Hans Wieners (beide Delbrücker Geschichtsforum) und Nicole Fornefeld (Delbrücker Stadtarchiv) +++ Foto (Stadt Delbrück)

Von Julef