Detmolder Kammerorchester beschließt die Saison mit Kontrasten

Musikalische Grenzgänge

Detmolder Kammerorchester beschließt die Saison mit Kontrasten

Erneut ist ein ganz besonderer Botschafter ostwestfälischer Musizierfreude im Konzerthaus Detmold zu Gast: das Detmolder Kammerorchester (DKO). Wie immer folgen die jungen Musikerinnen und Musiker dabei auch im die Saison 2025/26 abschließenden Abonnementkonzert der Vision, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig zukunftsweisende programmatische Akzente zu setzen. Unter der Leitung von Stanley Dodds präsentiert das DKO am Dienstag, 7. Juli, um 19.30 Uhr, ein mehrere Jahrhunderte überspannendes Repertoire – mit einer Leichtigkeit, die Berührungsängste vergessen und Grenzüberschreitungen lustvoll werden lässt.

So stehen mit „Orawa“ von Wojciech Kilar und der Suite „Fahrenheit 451“ von Bernard Herrmann die Werke zweier Komponisten auf dem Programm, die vor allem aus dem Genre der Filmmusik bekannt sind. Zudem würdigen die Musiker noch einmal Giselher Klebe, der im zurückliegenden Jahr seinen 100. Geburtstag begangen hätte: Es erklingt das „Concerto per Violino ed orchestra d’archi“ op. 133 – „Mignon“ mit Daniel Stabrawa als Solo-Violonist. Den Auftakt in den Abend machen die Musiker des DKO mit Georg Friedrich Händels Sinfonia aus „Saul“ HWV 53.

Barocker Superstar

Seine Musik eroberte die Welt im Sturm. Der Barock-Komponist Georg Friedrich Händel (1685–1759) war schon zu Lebzeiten legendär. In seinen Opern und Oratorien bewies er ein ums andere Mal seine geniale Fähigkeit, Gefühle überzeugend in Töne zu verwandeln. So war die alttestamentarische Geschichte mit der psychodramatischen Höllenfahrt König Sauls geradezu ein gefundenes Fressen für seine effektvolle Musik. Als Einleitung dieses monumentalen Oratoriums dient eine ganze Symphonie: Das DKO hat die Sinfonia aus „Saul“ HWV 53 als Einstieg in den Konzertabend gewählt.

Bekannter Unbekannter

Händel kennt jeder. Aber Wojciech Kilar? Ein „Noname“, dessen Musik dennoch viele schon gehört haben. Weltweit bekannt wurde der polnische Komponist unter anderem mit der Filmmusik für den Oskar-gekrönten Polanski-Film „Der Pianist“ (2002) und für „Bram Stoker’s Dracular“ von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1992. Dass Kilar (1932–2013) vor seiner Karriere als Filmkomponist auch für den Konzertsaal komponiert hat, verdeutlicht das DKO anhand dessen virtuos mit den Mitteln der Minimal Music jonglierenden Streichorchesteropus „Orawa“. Inspiriert von einem Landstrich der Karpaten an der polnisch-slowakischen Grenze, entfaltet Kilar in repetitiven Mustern und dichten, minimalistischen Klangteppichen eine spannende, kraftvoll-fesselnde rhythmisierte Meditation, die in ein aufbrausendes Schluss-Crescendo kulminiert.

Schauerliche Schönheit

Hochspannung ist auch beim Hören der Suite „Fahrenheit 451“ garantiert, die nicht nur im gleichnamigen Film für Gänsehaut sorgt. Bekannt für seine atmosphärischen Soundtracks schuf Komponist Bernard Herrmann (1911–1975) für den dystopischen Truffaut-Film ein musikalisches Wechselbad der Gefühle. Perlende Harfentöne gebettet auf Streicherklänge wiegen den Hörer im Wohligen bis die Harmonie jäh von dem bedrohlich treibenden Herzschlag der Bässe und den hektisch rhythmisierenden Streichern unterbrochen wird.

Keine Angst vor Neuer Musik

Komplettiert wird der Konzertabend mit einer selten gespielten Kostbarkeit aus dem Œuvre Giselher Klebes (1925–2009). In dem rund zwanzigminütigen „Mignon“ betitelten Konzert für Violine und Streichorchester op. 133, das im Jahr 2000 vom Detmolder Kammerorchester uraufgeführt wurde, lässt sich erleben, was passiert, wenn ein Meister der Moderne die Lyrik Goethes in Töne fasst. Besucher können sich nicht nur auf ein Spätwerk mit einer Tonsprache freuen, die so faszinierend wie tiefgründig ist, sondern auch auf eine Komposition, die beweist, dass Neue Musik nicht nur Kopfgeometrie ist, sondern direkt ins Herz zielen kann.

Tickets

Eintrittskarten für das Konzert sind im Vorverkauf zum Preis von 26, 22 und 13 Euro (ermäßigt 13, 11, 6 Euro) erhältlich in den Geschäftsstellen der Lippischen Landes-Zeitung und in der Tourist-Information am Markt in Detmold sowie im Internet über www.reservix.de und www.detmolder-kammerorchester.de. An der Abendkasse bezahlen Konzertbesucher 30, 26 und 16 Euro (ermäßigt 15, 13, 8 Euro). Studierende der HfM Detmold, der TH OWL und Schülerinnen und Schüler der Johannes-Brahms-Musikschule Detmold erhalten kurz vor Konzertbeginn freien Zugang zu verfügbaren Restplätzen. Ein Einführungsvortrag mit Manuel Palm im Palais („Gartensaal“, Neustadt 22) stimmt um 18.30 Uhr bereits auf das Konzert ein. Weitere Informationen gibt es auf: www.detmolder-kammerorchester.de.

Solist Daniel Stabrawa. Foto: Eva Maria Richter

Stanley Dodds ist Dirigent des 5. Abonnementkonzertes. Foto: privat

Genre- und epochenübergreifend: Das Detmolder Kammerorchester spielt Werke aus mehreren Jahrhunderten. Foto: Eva Maria Richter



Von Julef