Neues Mulden-Damm-System schützt jetzt die Jowat SE und die benachbarten Unternehmen an der Ernst-Hilker-Straße

Detmold. Aktuell hat es etwas – „sinnig“ wie der Lipper sagen würde ­ geregnet. Doch das wird zweifellos nicht so bleiben. Die nächsten Starkregen werden kommen. Der Überschwemmungs- und Hochwasserschutz in Detmold ist deshalb jetzt um eine wichtige Maßnahme erweitert worden. Ein Mulden-Damm-System, wie es schon in Klüt gebaut wurde, schützt nun auch das Unternehmen Jowat und seine Nachbarn an der Ernst-Hilker-Straße.

Jowat, einer der weltweit führenden Produzenten von Industrieklebstoffen, war von den schweren Unwettern in den Jahren 2023 und 2024, die insbesondere Klüt trafen, ebenfalls stark betroffen. Damals rauschten Wassermassen von den westlich und östlich der Poststraße liegenden Ackerflächen „Auf der Heide“ und „Alten Hagen“ über das Firmengelände und die Ernst-Hilker-Straße in Richtung Bachtal der Sylbecke. Das Unternehmen erlitt dadurch einen erheblichen Schaden.

Mit den neuen Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt Detmold dürfte dieses Gefahrenpotenzial nun der Vergangenheit angehören. Nördlich des Jowat-Firmengeländes ist ein Mulden-Wall-System angelegt worden, das abfließende Niederschläge von den Feldern bremst und dann in Richtung eines Teiches in der Nähe des „SonVida“ und von dort zur Sylbecke ableitet. Damit sind alle Unternehmen in diesem Abschnitt der Ernst-Hilker-Straße geschützt – auch das Tankstellengelände gegenüber und die Nachbarfirmen der Jowat SE.

Eingesetzt wurde dafür das Wickelschlauchverfahren der Firma Topocare aus Gütersloh, das in Klüt bereits zum Einsatz gekommen ist. Dabei handelt es sich um ein innovatives Verfahren, das mit der Technischen Hochschule OWL gemeinsam entwickelt wurde. „Der Schlauch wird mit der vor Ort vorhandenen Erde gefüllt und wie ein Handtuch zusammengedreht“, erläutert Andreas Hoffmann, Teamleiter für Gewässerplanung und Starkregenvorsorge bei der Stadt Detmold. Mehrere dieser Schläuche werden dann aufeinander gepackt. Andreas Hoffmann: „Das ist stabiler als ein herkömmlicher Deich. Ein weiterer Vorteil: Strömt Wasser über die Krone, erodiert zwar die Deckschicht, aber das Bauwerk selbst bricht nicht.“ Die von der Stadt Detmold mit der Verlegung der Schläuche beauftragte Firma Topocare hat sich bei den erforderlichen Erdarbeiten Unterstützung durch die ortsansässige Firma Greger geholt. Beide Unternehmen sind bereits seit der erstmaligen Umsetzung eines Mulden-Wall-Systems im Jahr 2024 ein eingespieltes Team und können auf eine bewährte Zusammenarbeit zurückgreifen.

Jowat-Vorstand Ralf Nitschke: „Jowat war bereits zweimal von den Folgen extremer Starkregenereignisse betroffen. Umso mehr freut es mich, dass wir mit dieser innovativen Technik künftig vor einer weiteren Überschwemmung geschützt sind. Mein besonderer Dank gilt den Erfindern dieses genialen Dammkonzepts, den beteiligten Hochschulen sowie der Stadt Detmold. Als Pionieranwender hat sie maßgeblich dazu beigetragen, diese zukunftsweisende Technologie in die Praxis zu überführen. Damit machen die Lipper die Welt einmal mehr einen ,Tucken‘ sicherer.“

Bei dieser Maßnahme wird es die Stadt nicht bewenden lassen. Der bereits vorhandene und viel genutzte Radweg, der von der Klüter Poststraße in Richtung Ernst-Hilker-Straße führt, wird saniert, auf 5,50 Meter verbreitert und höher gelegt. Damit entsteht ein weiterer Damm mit einem vorgelagerten Rückhaltebecken. Außerdem sollen unter Einsatz des Wickelschlauchverfahrens noch zwei Querdämme und eine weitere Anlage entlang der nördlich gelegenen Ackerfläche gezogen werden, um die Sicherheit auch für die Anwohner der Poststraße zu maximieren. „Wir werden hier insgesamt 3,5 Kilometer Schlauch verarbeiten“, sagt Roland Draier, geschäftsführender Gesellschafter der Topocare.

Ferner fließen alle Maßnahmen in eine Masterarbeit einer Studentin an der TH OWL ein, die sich mit der Frage befasst, wie Hochwasserschutz an Kleingewässern mit einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität für die Menschen vereint werden kann. Außerdem werden Sensoren in die Wickeldämme eingebaut, die Aufschluss über die Setzungsbewegungen geben sollen. Andreas Hoffmann: „Diese Daten werden wir nutzen, um die Asphaltdecke für den neuen Radweg erst aufzuziehen, wenn sich der Boden gesetzt hat. Das erspart uns frühzeitige Abplatzungen und in der Folge Sanierungen.“

„Wir denken hier verschiedene Themen miteinander“, resümiert Bürgermeister Frank Hilker. „Und wir gehen dabei mutig voran und setzen innovative Methoden ein. Nur wenn wir mutig genug sind, Neuland zu betreten, kommen wir voran und laufen den Krisen nicht mehr hinterher.“

BU: Neues Mulden-Damm-System schützt Jowat: (von links) Bürgermeister Frank Hilker, Daniel Greger (Fa. Greger), Jowat-Vorstand Ralf Nitschke, Sergej Greger, Andreas Hoffmann (Stadt Detmold), Topocare-Geschäftsführer Roland Draier und Bernd Kruse (Stadt Detmold) betrachten den Plan für den Hochwasserschutz. Im Hintergrund ist das Mulden-Damm-System zu sehen. Foto: Stadt Detmold

BU: Hochwasserschutz für die Jowat SE und ihre Nachbarn. Andreas Hoffmann (Zweiter von rechts) erklärt Jowat-Vorstand Ralf Nitschke (Zweiter von links) die Funktionsweise des Systems, während Bürgermeister Frank Hilker seinen Blick auf die Umsetzung vor Ort richtet. Im Hintergrund: Sergej Greger (Fa. Greger) und Michael Pape (Jowat SE). Foto: Stadt Detmold

Von Julef