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Gütersloh

„§25/11 – Haus ohne häusliche Gewalt“: Gütersloh schaut hin

Stadt startet gemeinsam mit Wohnungsunternehmen, Beratungsstellen und Polizei eine Kampagne gegen häusliche Gewalt – Mehr als 1.500 Wohnobjekte können erreicht werden

Gütersloh (gpr). Häusliche Gewalt geschieht oft dort, wo Menschen sich eigentlich sicher fühlen sollten: in den eigenen vier Wänden. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Kreispolizeibehörde Gütersloh 876 Fälle häuslicher Gewalt, im Jahr zuvor waren es 800. In 423 Fällen sprach die Polizei Wohnungsverweisungen aus. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Mit der bundesweiten Initiative „§25/11 – Haus ohne häusliche Gewalt“, die vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Berlin ins Leben gerufen wurde, setzt die Stadt Gütersloh jetzt gemeinsam mit Wohnungsunternehmen, Beratungsstellen und der Polizei ein sichtbares Zeichen. Die Botschaft: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Betroffene sollen wissen, wo sie Hilfe finden, und Menschen in der Nachbarschaft ermutigt werden, genauer hinzusehen.

„Schönheitsreparaturen sind Mietersache. Und was ist bei blauen Flecken?“ Mit Fragen wie dieser macht die Kampagne auf ein Thema aufmerksam, das häufig im Verborgenen bleibt. Vom 26. Oktober bis zum 15. November sind fünf verschiedene Plakatmotive an Laternenmasten im Gütersloher Stadtgebiet zu sehen. Doch die Kampagne geht noch einen Schritt weiter: Sie bringt Informationen und Hilfsangebote unmittelbar in die Wohnhäuser.

Der Gemeinnützige Bauverein Gütersloh, die KHW Kommunale Haus und Wohnen GmbH und die conceptGT beteiligen sich an der Initiative. Gemeinsam können sie mehr als 1.500 Wohnobjekte erreichen. „Als Genossenschaft ist es uns wichtig, unsere Werte auch in der Gemeinschaft unserer Mieterinnen, Mieter und Mitglieder zu leben: Aufeinander achten, füreinander da sein und niemanden allein lassen. Wir vermieten nicht nur Wohnungen, sondern möchten vor allem dazu beitragen, dass Menschen sicher wohnen können. Deshalb schauen wir bei häuslicher Gewalt nicht weg“, so Martina Baumann-Polchow vom Gemeinnützigen Bauverein Gütersloh eG.

Plakate in Hausfluren weisen auf örtliche Beratungs- und Unterstützungsangebote hin. Ergänzend können Vermietende ein Informationsblatt als freiwillige Anlage zum Mietvertrag einsetzen und damit ein klares Zeichen für ein gewaltfreies Zusammenleben setzen. Ergänzend sorgen Postkarten sowie Plakate für Sozial- und Aufenthaltsräume in Betrieben und Einrichtungen dafür, dass die Botschaft der Kampagne auch außerhalb der Wohnhäuser sichtbar wird.

„Ein Zuhause muss ein Ort der Sicherheit sein“, erklärt Bürgermeister Matthias Trepper. „Mit dieser Kampagne machen wir deutlich, dass häusliche Gewalt keinen Platz in unserer Stadt hat. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen und Betroffenen Wege zur Hilfe aufzeigen.“

Auch private Vermietende können mitmachen. Denn häusliche Gewalt betrifft Menschen unabhängig davon, ob sie in einem Mehrfamilienhaus, einer Mietwohnung oder einem Eigenheim leben. Hausverwaltungen und private Eigentümerinnen und Eigentümer sind deshalb ausdrücklich eingeladen, sich der Kampagne anzuschließen und Informationsmaterialien weiterzugeben.

„Wir wollen die Menschen dort erreichen, wo sie leben“, betont die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh Inge Trame. „Ein Plakat im Hausflur oder ein Hinweis auf Beratungsangebote kann für Betroffene der entscheidende Anstoß sein, sich Unterstützung zu holen. Gleichzeitig möchten wir das Bewusstsein dafür stärken, dass häusliche Gewalt uns alle angeht.“

Hinter dem ungewöhnlichen Kampagnentitel „§25/11“ steckt übrigens kein Gesetzesparagraph. Die Zahlen stehen symbolisch für den 25. November, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

In Gütersloh wird die Kampagne von einem breiten Bündnis getragen: Neben den Wohnungsunternehmen und der Gleichstellungsstelle der Stadt beteiligen sich das Frauen- und Kinderschutzhaus Gütersloh, die Frauenberatungsstelle von Frauen für Frauen e. V., der Sozialdienst katholischer Frauen sowie der Opferschutz der Kreispolizeibehörde Gütersloh. Betroffene finden Unterstützung bei den örtlichen Fachberatungsstellen sowie rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich beim bundesweiten Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Rufnummer 116 016.

„Das Gute an der Kampagne ist, dass sie deutlich macht: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache! Wer sich an eine Beratungsstelle oder die Polizei wendet, mischt sich nicht unzulässig in das Privatleben anderer ein, sondern übernimmt Verantwortung. Für viele Menschen dürfte die Hemmschwelle, Kontakt zu einer Beratungsstelle aufzunehmen, niedriger sein als bei einem Anruf bei der Polizei. Umso wichtiger ist es, dass die örtlichen Fachberatungsstellen Teil dieser Kampagne sind“, so Kirstin Bernstein von der Abteilung „Kriminalprävention und Opferschutz“ der Kreispolizei Gütersloh.

Interessierte Vermietende und Hausverwaltungen können die Kampagnenmaterialien bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Gütersloh per E-Mail unter gleichstellungsstelle@guetersloh.de anfordern. Die lokale Umsetzung wird durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Setzen den Startpunkt für die Kampagne gegen häusliche Gewalt: v.l:. Martina Baumann-Polchow, Bauverein, Ursula Pantenburg, SKF, Christiane Beckhoff, conceptGT, Anzhela Babadhzanova , Irene Thater beide  Frauenberatungsstelle GT, Inge Trame, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Gütersloh, Kirstin Bernstein, Kreispolizeibehörde Gütersloh (Opferschutz), Meike Hoffmann, Pia Kugis-Johannknecht, beide Frauenhaus GT, Angelique Murar, KHW GmbH +++ Foto: Stadt Gütersloh